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Profil

ÜBER PLURELIGION

Für lange Zeit wurde die Welt in Bezug auf Religionen als überwiegend homogen wahrgenommen. Kartographen fertigten Landkarten nach territorialen Gesichtspunkten an, es wurden ausschließlich die Religionen mit den meisten Mitgliedern innerhalb der jeweiligen Staatsgrenzen vermerkt. 

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Wahrnehmung religiöser Landschaften jedoch enorm verändert. Dafür verantwortlich ist die Tatsache, dass die religiöse Diversität in vielen Regionen der Welt stetig ansteigt. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Migrations- und  Säkularisierungsprozesse, das Aufkommen kleinerer religiöser Gemeinschaften oder religiöser Milieus innerhalb der großen Weltreligionen sowie die Wahrnehmung von Gläubigen ohne formale Religionszugehörigkeit führen zu einer kontinuierlich steigenden religiösen Vielfalt, die vor allem in den urbanen Regionen der Welt zu finden ist. 

KOORDINATION INTERNATIONALER FORSCHUNG 

Die Beschäftigung mit religiösen Pluralisierungsprozessen wurde während der 2000er Jahre in Europa immer gängiger und rief eine Vielzahl öffentlicher Debatten hervor. Im Zuge dessen entstanden auch unterschiedliche wissenschaftliche Forschungsprojekte, um diese Prozesse auf regionaler und nationaler Ebene zu untersuchen. Leider wurden die zugehörigen Studien weitestgehend unabhängig und ohne gegenseitige Kenntnisnahme durchgeführt.

Das Plureligion Netzwerk wurde 2009 gegründet, um einen Überblick über den Forschungsstand zu gewinnen, Vergleiche zwischen einzelnen Forschungsprojekten zu ermöglichen und einen fruchtbaren wissenschaftlichen Austausch zu organisieren. Gefördert wird Plureligion durch das NORFACE CAPACITY BUILDING PROGRAMME: Re-emergence of Religion as a Social Force in Europe? (Untersuchungen zum Wiederauftreten von Religion als soziale Kraft in Europa).

VERBINGUNG REGIONALER FORSCHUNGSPROJEKTE 

Einer Debatte der amerikanischen Religionssoziologie der 1980er über den Einfluss religiöser Diversität folgten Mitte der 1990er zahlreiche Studien, die sich mit der Vertiefung des Wissens über die Diversifizierung religiöser Landschaften beschäftigten. Diese Bestandsaufnahmen sollten erste Bewertungen der Situation ermöglichen und waren zunächst in ihrem Untersuchungsgegenstand regional eingeschränkt.

So dokumentierte eine Vielzahl lokaler Initiativen weltweit die Diversität von religiösen Organisationen in bestimmten Städten und Regionen. In Deutschland fand dies beispielsweise in Berlin, Hamburg, Hannover, Essen sowie in weiteren Städten Nordrhein Westfalens statt. Die religiöse Landschaft der Schweiz wurde als Ganzes, aber auch am Beispiel der Städte Basel, Zürich und Luzern untersucht. In England sind das Kendal Projekt und die Forschung zu der Stadt Leeds sowie zum Bradford Gebiet besonders hervorzuheben. Darüber hinaus gab es auch in Skandinavien nationale Projekte zu religiöser Vielfalt und das Pluralismus Projekt der Harvard Universität beschäftigte sich mit der steigenden religiösen Diversität in den Vereinigten Staaten.    

Um diese lokal und regional orientierten Forschungsprojekte in einen Dialog zu bringen, wurde das Plureligion Netzwerk vom Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) in Bochum gegründet. Das Ziel ist, einen regen wissenschaftlichen Austausch zwischen diesen unterschiedlichen Forschungsprojekten zu ermöglichen und auszubauen. 

VERGLEICH REGIONALER FORSCHUNGSERGEBNISSE 

Das Ziel von Plureligion ist der Dialog zwischen den verschiedenen Studien und Projekten zu religiöser Diversität, um projektübergreifende Ergebnisse über weltweite religiöse Pluralisierung zu gewinnen. Dies schließt auch die quantitativen Dimensionen religiöser Pluralität mit ein. Bisher können weder aktuelle religionswissenschaftliche Studien noch die Statistikämter der meisten Europäischen Länder (mit ein paar Ausnahmen, zum Beispiel in der Schweiz) ansatzweise zuverlässige Statistiken vorweisen, die einen Überblick über quantitative Aspekte religiöser Pluralität liefern. Da die sozialen Konsequenzen religiöser Pluralität überaus aktuell und relevant sind, sollten über quantitative Aspekte hinaus auch der Einfluss auf die Zivilgesellschaft sowie die Auswirkungen innerhalb des religiösen Feldes Teil des Diskurses sein. 

WISSENSAUSTAUSCH MIT DER ÖFFENTLICHKEIT

Als Ergebnis quantitativer und qualitativer Forschung zu religiöser Diversität sind die Projekte von Plureligion ein aktiver Bestandteil verschiedenster Formen von Wissenstransfer. Beispielsweise präsentieren die Forscher*innen des CERES ihre Forschungsergebnisse regelmäßig vor einem akademischen Publikum, auf öffentlichen Diskussionsveranstaltungen und in wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Außerdem organisiert das CERES regelmäßig Ausstellungen im öffentlichen Raum, die sich mit Fragen über lokale Diversität auseinandersetzen. Eine neue Art des spezialisierten Wissenstransfers hat CERES mit der Organisation von Workshops und Trainings für öffentliche Verwaltungen und ehrenamtliche Organisationen über die sich verändernde religiöse Landschaft Nordrhein Westfalens geschaffen.