Projektziele und Methodik

Um die theoretische Diskussion über die Auswirkungen religiöser Vielfalt in einen weiteren Kontext zu stellen benutzen Forscher üblicherweise den Index religiöser Diversität. Der traditionelle Weg, diese religiöse Diversität zu messen, basiert auf Mitgliederanteilen in Form des Herfindahl-Hirschmann Indexes. Dieser Index dient jedoch nur grob der Analyse der Beziehung zwischen religiöser Vielfalt und religiöser Vitalität und hat deshalb keinen richtigen Wert für religionssoziologische Theorien. Eine internationale Forschungsgruppe des CERES hat deshalb damit begonnen, religiöse Vielfalt auf andere Weise mit Hilfe neuer Messstrategien zu berechnen. 

Eine innovative Art, religiöse Diversität zu messen

CERES Forscher entwickelten diesen neuen Index religiöser Diversität in dem gemeinsamen Projekt Religiöse Pluralität in drei Europäischen Ländern aus dem Adherence Diversity Index (ADI), dem Organisational Diversity Index (ODI) und der Centrality of Religiosity Scale (CRS). 

  • Der ADI gibt an, zu welchem Grad die Individuen eines bestimmten Gebietes auf die erfassten religiösen Gruppierungen verteilt sind und bezieht sich auf die Diversität religiöser Zugehörigkeiten. 
  • Der ODI gibt an, inwiefern religiöse Organisationen in einem bestimmten Gebiet auf verschiedene religiöse Traditionen verteilt sind. 
  • Der CRS misst den Einfluss religiöser Bedeutungsinhalte auf Gefühle, Wahrnehmung und Taten von Individuen. Er bezieht sich auf fünf Kerndimensionen religiösen Lebens: die ideologische, die erfahrungsbezogene, die devotionale (als private Praxis), die rituelle (öffentliche Praxis) und die intellektuelle Dimension. 

Diese neue Art der Messung religiöser Diversität wurde erfolgreich auf die drei untersuchten Länder Finnland, Deutschland und Slowenien angewendet. Sie half die Frage zu beantworten, ob religiöse Diversität in diesen Ländern einen Einfluss auf religiöse Vitalität hat, sei es durch die Unterstützung oder das Verbot von Glaubensgrundsätzen.

Religiöse Diversität nach Ländern

Um die Leerstelle in der empirischen Erforschung religiöser Diversität zu füllen, haben CERES Forscher*innen einen Index religiöser Diversität für jedes Land der Welt erstellt. Die Grundlage hierfür bildeten Daten aus offen zugänglichen Datenbanken wie dem CIA Factbook und der Religion Data Base. Da diese Datenbanken Informationen über religiöse Zugehörigkeiten in allen Ländern mit den gleichen Bedingungen erhebt, liegt der große Vorteil dieser Daten in der Vergleichbarkeit der Ergebnisse, anders bei vereinzelten unabhängigen lokalen Forschungsprojekten. So kann der CERES Index religiöser Diversität nach Ländern zumindest grob illustrieren, was die sozialen, kulturellen und institutionellen Vorbedingungen der Entstehung und Existenz religiöser Diversität sind.
Weltweite religiöse Vielfalt visualisieren. 

All die erstellten Indices der unterschiedlichen Länder wurden in einer Weltkarte zusammengefasst. Auch wenn die Quellen deutliche Beschränkungen aufweisen, so bietet die Karte einen groben Überblick über die Diversität eines Landes.